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#Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier wurde eröffnet

Oktober 26, 2012 · redaktion · Kein Kommentar

Gestern, am 25. Oktober 2006 wurde das Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier am Killesberg offiziell eröffnet. Im Le Corbusier-Haus in der Rathenaustraße ist ein Museum entstanden, das die Geschichte der Weißenhofsiedlung ausstellt und als “begehbares Exponat” Einblicke in die Architektur Le Corbusiers (1887-1965) bietet.

Das Doppelhaus in der Rathenaustraße, das Le Corbusier und Pierre Jeanneret 1927 errichteten, steht exemplarisch für die ganze Weißenhofsiedlung: eine neue Ästhetik, ermöglicht durch neue Materialien. Moderne Grundrisse und dekorlosen Inneneinrichtungen boten Raum für neue Lebensformen und arbeitssparende Hauswirtschaft. “Das von der Wüstenrot Stiftung in seinen Proportionen wiederhergestellte und in seiner Substanz gesicherte Gebäude bildet einen wichtigen Meilenstein für eine dauerhafte Erhaltung der Siedlung von 1927 als kulturellem Erbe der Stadt Stuttgart und als Zeugnis der modernen Architektur”, so Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster. “Erstmals kann die Weißenhofsiedlung ihrem Rang in der Architekturgeschichte entsprechend der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Ich bin der Wüstenrot Stiftung sehr dankbar, dass sie die finanziellen Mittel zur Sanierung dieses besonderen Gebäudes unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zur Verfügung gestellt hat.”

Das Projekt ist das Ergebnis einer Partnerschaft: Zum einen führte die Wüstenrot Stiftung im Rahmen ihres Denkmalprogramms als Bauherrin die Instandsetzung der Bausubstanz durch, zum anderen sorgte die Landeshauptstadt Stuttgart, die als ehemalige Bauherrin der Weißenhofsiedlung 2002 das Grundstück erwarb, für die Museumsgestaltung und stellt die Mittel für den Museumsbetrieb bereit. Den Museumsbetrieb übernimmt künftig der Verein der Freunde der Weißenhofsiedlung e.V. Die Ausstellungsgestaltung ist Ergebnis eines Gutachterverfahrens, das Ende 2004 entschieden wurde. “Der Entwurf ist ganz auf die Besonderheit dieses Ortes ausgerichtet. Er geht auf die denkmalpflegerische Situation ein und nimmt mit neuen Mitteln Bezug zur Raumidee Le Corbusiers”, so Baubürgermeister Matthias Hahn. Das Museum ist zweisprachig ausgestattet (deutsch und englisch), um die Informationen auch den zahlreichen ausländischen Besuchern zu vermitteln.

Die Instandsetzung der Bausubstanz erfolgte auf einer Grundlage ausführlicher Recherchen. “Wir sind mit der Zielsetzung an die Bauaufgabe herangegangen, in größtmöglicher befund- und quellengestützter Annäherung an das bauliche Original die zentralen Qualitäten der Le Corbusier-Architektur wieder anschaulich zu machen, ohne allerdings wesentliche Veränderungen der letzten Jahrzehnte vollständig zu tilgen”, so der Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, Georg Adlbert. Heute zeigt sich das Gebäude wieder in den Proportionen und der Farbgebung von 1927.

Das “Weißenhofmuseum im Haus Le Corbusier” wird sich in der Architektur des Hauses, in den Innenräumen, die zum “begehbaren Exponat” werden und in der Ausstellung, die architekturgeschichtliche Informationen vermittelt, den Besuchern präsentieren. Der Rundgang führt durch die beiden Haushälften des Doppelhauses, denen aufgrund ihrer unterschiedlichen baulichen Situation nach Umbauten 1932 und der Sanierung in den 1980er Jahren unterschiedliche Funktionen im Museumskonzept zukommen. Die Ausstellung wurde vom Stuttgarter Büro space4 erarbeitet. Die Haushälfte Rathenaustraße 3 orientiert sich am “Zeithorizont 1927″ und wurde zu einem originalgetreuen “begehbaren Exponat” rekonstruiert. In der Gebäudehälfte Rathenaustraße 1 dagegen befindet sich das eigentliche Museum, hier sind Exponate ausgestellt, die über die Entstehung der Weißenhofsiedlung, ihre Zielsetzung und ihrer Entwicklung informiert. Die Ausstellung präsentiert unter anderem Originaldokumente wie den Katalog und Werbemarke zur damaligen Werkbundausstellung, die von Willi Baumeister entworfen wurden.

“Der Besucher erlebt eine Momentaufnahme der Werkbundausstellung, die durch partielle Wiederherstellung der historischen Situation einschließlich eines Teils der Einrichtung lebendig werden kann. Ich denke, dass hier eine behutsame Balance zwischen Kulturdenkmal und Museum gelungen ist”, so die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport, Dr. Susanne Eisenmann.

Der Betrieb des Weißenhofmuseums wird vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart finanziell und organisatorisch getragen und bildet ein Element der stadtgeschichtlichen Kulturlandschaft. Die Betreuung des Museums wird dem Verein der Freunde der Weißenhofsiedlung e.V. übertragen, der zusätzlich zum Informationsangebot im Haus Le Corbusier auch Führungen in der Siedlung durchgeführt. “Zu uns kommen Besucher aus aller Welt”, so Suse Kletzin vom Verein Freunde der Weißenhofsiedlung. “Schon lange warten sie darauf, die Häuser nicht nur von außen betrachten zu können, sondern die bahnbrechenden Ideen auch im Inneren eines Gebäudes erkunden zu können. Das Museum verdeutlicht außerdem den weitgefassten Anspruch der Ausstellung von 1927. Nicht nur die Häuser, sondern auch die Hallenausstellungen zum Neuen Bauen international und zur Inneneinrichtung sowie das Experimentiergelände zu den Baumaterialien sind Themen. Das Museum deckt sich direkt mit unserem Vereinsziel, das Wissen über die Weißenhofsiedlung an die Öffentlichkeit weiterzugeben.”

Die neue Internetseite www.weissenhofmuseum.de bietet einen virtuellen Rundgang durch das Doppelhaus von Le Corbusier und beschreibt die einzelnen Ausstellungsstationen des Museums. Außerdem findet man alles Wissenswertes rund um die Themen Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Führungen.

Auch auf internationaler Ebene wird herausragenden Bauten der Klassischen Moderne mit zunehmender Beachtung begegnet. Seinen besonderen Ausdruck findet dies in einer internationalen Initiative unter der Leitung des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation, das architektonische und städtebauliche Werk von Le Corbusier in die Welterbeliste der UNESCO aufzunehmen. Die Arbeit der internationalen Arbeitsgruppe, an der Stuttgart beteiligt ist, soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die beiden Häuser Le Corbusiers in der Weißenhofsiedlung sind Teil dieses Antragsverfahrens, das bisher eine hochrangige Auswahl von 21 Werken aus fünf Ländern umfasst, künftig aber noch erweitert werden soll. Der Antragsteil über die Stuttgarter Häuser Le Corbusiers entsteht in enger Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium als Oberster Denkmalschutzbehörde des Landes und dem Landesamt für Denkmalpflege.

Zur Weißenhofsiedlung
1927 errichteten 17 Architekten des “Neuen Bauens” auf einem städtischen Gelände am Weißenhof insgesamt 33 Häuser für den “modernen Großstadtmenschen.” Der deutsche Werkbund, einer der damaligen bedeutenden kulturellen Kräfte Deutschlands, konnte die Stadt Stuttgart für das Projekt einer neuen Art von Bauausstellung gewinnen. Erstmals entstanden voll funktionsfähige Experimentalbauten, die im Anschluss an die Ausstellungszeit von der Stadt vermietet wurden. Unter den Architekten befanden sich unter anderem Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier, Walter Gropius oder Hans Scharoun. Sie alle hatten das Ziel, in Stuttgart Formen für ein “Neues Wohnen” zu entwickeln, den Sinn für “Licht, Luft und Farbe” zu vermitteln und mit Hilfe der Einrichtungen eine praktischere und zeitsparendere Haushaltsführung ermöglichen. Im Juli 1927 wurde die Ausstellung eröffnet, in nur drei Monaten kamen rund eine halbe Millionen Besucher aus dem In- und Ausland.

Die Weißenhofsiedlung mit den kubischen Häusern mit Flachdach wiesen in eine neue Zeit, die danach besonders bei den Vertretern der traditionellen Architekturauffassung als Provokation verstanden wurde. Vor allem die beiden profiliertesten Vertreter der “Stuttgarter Schule”, Paul Schmitthenner und Paul Bonatz lehnten das neue städtebauliche Konzept auf dem Weißenhof ab.

Im Nationalsozialismus steigerte sich die Ablehnung gegenüber der Weißenhofsiedlung, die an das Deutsche Reich verkauft wurde und abgerissen werden sollte. Dazu kam es nicht, doch im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Gebäude, darunter die von Walter Gropius und Richard Döcker, zerstört. An beiden Le Corbusier-Häusern kam es nur zu geringfügigen Schäden. Ende 1950 standen noch elf der 21 Häuser, viele davon nur notdürftig hergerichtet.

Mitte der 50er Jahre erst kam die besondere architekturgeschichtliche Bedeutung der Weißenhofsiedlung wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung. 1958 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt, die “Initiative 77″, ein kleiner Förderkreis, aus dem später der “Verein der Freunde der Weißenhofsiedlung e.V.” hervorging, engagierte sich für den Erhalt der Siedlung. In den 1980er Jahren führte die staatliche Hochbauverwaltung mit finanzieller Unterstützung der Stadt Stuttgart eine grundlegende Instandsetzung durch. Das äußere Bild der erhaltenen Häuser wurde weitgehend wieder hergestellt und in einzelnen Wohnungen konnte auch der ursprüngliche Grundriss rekonstruiert werden.

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