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Rose – 20. Februar 2008 – Theaterhaus Stuttgart

Dezember 23, 2007 · redaktion · Kein Kommentar

Französisch gesungene Popsongs gelten auch heute noch als die wohl erotischsten. , die 28-jährige Sängerin, Gitarristin und Songwriterin mit diesem so schlichten wie schönen Künstlernamen, führt auf ihrem gleichnamigen Debütalbum ein ums andere Mal den klingenden Beweis für die Richtigkeit dieser Prämisse an. Ihrer verführerischen Stimme, die mit ihrem rauchzarten Unterton jede Silbe auszukosten scheint, war die Grande Nation denn auch schnell verfallen. Vor allem mit der superben Single „La Liste“ hatte sich die brünette Künstlerin in die Herzen der Franzosen gesungen. In dem koketten Lied haucht sie ein ganzes Register all der verrückten Dinge herunter, die man mit dem Liebsten anstellen kann. Rauchen und trinken, lachen, weinen und auf dem Tisch tanzen, bei IKEA einkaufen und die Möbel dann wieder aus dem Fenster schmeißen. Es ist die pure Lebenslust, die sich in dem prachtvoll charmanten Song breit macht, der mit seinem Schuss frankophonen Country noch zusätzlich ins Schwarze trifft. Nicht minder intelligent, intim und integer sind die anderen Songs ihres Debütalbums, das in Frankreich von der Kritik einhellig bejubelt und dort mittlerweile vergoldet wurde (über 10 Wochen Top 20 und 100.000 verkaufte Alben sprechen eine deutliche Sprache). Wie Carla Bruni, Keren Ann oder Charlotte Gainsbourg dürfte auch mit ihrem selbst komponierten und poetisch dichten Erstlingswerk bald schon weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannt werden.

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Rose, die eigentlich Keren mit Vornamen heißt, hat ihren Künstlernamen jenem Kinofilm aus dem Jahr 1979 entlehnt, der das Leben der Janis Joplin frei interpretierte. In „The Rose“ von Mark Rydell hatte Bette Midler den Part der legendären Rocksängerin übernommen. Die Liebe zu der Musik von Janis Joplin wurde bei Rose indes von ihrem Vater geweckt, der ihr auch das Werk von Bob Dylan nahe brachte. Als Kind sang sie die Lieder von Francis Cabrel (ebenfalls ein passionierter Dylan-Fan) und Jean-Jaques Goldman; mit 18 begann sie, ihre Texte, die sich nicht selten ausnahmen wie Tagebuchaufzeichnungen, mit ihrer Gitarre musikalisch zu untermalen, bezweifelte jedoch, dass das jemand würde hören wollen; spielte dann aber einer Freundin die Demos vor, die bei einem Produzenten (dem von Camille) arbeitete und diesen auf das Talent aufmerksam machte. Kurze Zeit später war der Plattenvertrag mit dem EMI-Label Source Etc unter Dach und Fach. Rose war zuvor bereits aus ihrer Heimatstadt Nizza nach Paris gezogen und hatte schon ein Lehramtsstudium hinter sich. Nun stand sie plötzlich mit einem der renommiertesten Toningenieure und Produzenten Frankreichs im Studio, mit Dominique Blanc-Francard (Pink Floyd, Elton John, David Bowie, Jane Birkin). In nur drei Wochen bannte er den Zauber von Rose und ihrer von einer Phalanx exzellenter Begleitmusiker umgarnten Songs kongenial auf Band. Nicht minder angetan von der Frische und der Eleganz der jungen Künstlerin war der Schauspieler und Chansonnier Alain Souchon, der Rose im letzten Sommer zu ihrem ersten großen Auftritt im Pariser Olympia einlud, den sie ganz allein mit ihrer Gitarre bestritt.

Die zwölf Songs ihres Debütalbums nehmen sich indes ungleich reichhaltiger aus. Die meisten Songs kennzeichnet ein heiter beschwingtes Grundtempo, spartanisch dylaneske Lieder wie das von Mundharmonika begleitete „J’ai“ bilden ebenso die Ausnahme wie der in ein reines Jazzquartett mündende Streichelblues „Je m’ennuie“. Typisch hingegen sind so unbeschwert klingende Lieder wie der Publikumsfavorit „La Liste“ und „Ciao Bella“, ein Song, den sie dem verstorbenen italienischen Großvater gewidmet hat, der für Rose so etwas wie ein Schutzengel ist. Bei aller Leichtigkeit der Melodien herrscht in den Songtexten von Rose jedoch ein eher bittersüßer Ton vor: sehr persönliche Ansichten und Anekdoten über Liebe, Lebensfreude und Lebensängste, über Einsamkeit, Enttäuschung und Euphorie; Geschichten überwältigender Gefühle und puren Herumvagabundierens; banale Alltagsszenen und Plädoyers gegen Egoismus und Chauvinismus. Kein Wunder, dass Poesie von so großer Eindringlichkeit und feinem erotischen Gespür französische Journalisten bewogen hat, sie in einem Atemzug mit neuen Folkrockgöttinnen wie Cat Power, Joanna Newsom und Martha Wainwright zu nennen. Ganz abgesehen davon, dass sie auch noch das Schönheitsideal einer hippen Sixties-Ikone spielerisch leicht erfüllt, ist Rose ihrem Namen entsprechend fürwahr eine perfekte Schöpfung der Natur. Wie anders ließe sich der paradiesische Duft erklären, den dieses in voller Blüte stehende Debüt verströmt.

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